Flächenfrass und Stadtgrün

Wie sehen Ihre Vorstellungen aus, den Flächenverbrauch – und die immer weiter reichenden Eingriffe des Menschen in die natürlichen Lebensräume – in Lage zu reduzieren? 
Wie lässt sich dies mit zukünftigen Plänen zum Ausbau und der Erweiterung in und um Lage vereinbaren?

Antwort von Frank Drexhage, BÜNDNIS 90 / GRÜNE

Flächenfraß

Ich werde mich darum bemühen, den Flächenverbrauch zu minimieren. Leider hat die schwarzgrüne Landesregierung bei der Fortschreibung des Landesentwicklungsplans bestehende Regelungen zum maßvollen Flächenverbrauch aufgeweicht.

Eine Reduzierung des Flächenverbrauchs kann erreicht werden durch:

  • kein Bauen im Außenbereich
  • Lückenbebauung statt Neuausweisung von Baugebieten
  • Bauflächenrecycling insbesondere bei den Gewerbeansiedlungen
  • Verzicht auf die geplanten Umgehungsstraßen
  • Rückbau überdimensionierter Straßen

Außerdem strebe ich an, dass wieder Ackerrandstreifen geduldet und fachgerecht gepflegt werden. Die Bachrandstreifen sollten verbreitert werden.

Bauen im Überschwemmungsbereich (HQ 1000) muss ein Tabu werden. Leider gab es für einen entsprechenden Antrag der Grünen keine Mehrheit im Rat.

Stadtgrün

Die Grünen haben die Wiedereinführung der Baumschutzsatzung durchgesetzt. Bei der Einhaltung und Kontrolle durch die Verwaltung gab es allerdings erhebliche Defizite. Da sehe ich Handlungsbedarf.

Die Einhaltung von Grünfestsetzungen in den Bebauungsplänen muss wieder besser kontrolliert werden, sonst werden sie ständig aufgeweicht. Bepflanzungsgebote in neu aufgestellten B-Plänen müssen fester Bestandteil der Baugenehmigungen werden (s. aktuell: B-Pläne Obere Bült, Johannisweg).

Die Innenstadt und die Ortsteile sind kontinuierlich weiter zu durchgrünen, um auch um die Aufenthaltsqualität bei steigenden Temperaturen zu erhöhen. Das Blühwiesenprogramm möchte ich mit Hilfe der Bürgerinnen und Bürger ausweiten.

Die Pflege des städtischen Grüns möchte ich durch den Einsatz von Fachpersonal verbessern.

Antwort von Martina Hannen, FDP

Der Flächenverbrauch muss sich auf das Notwendige beschränken. Der Mensch ist aber auch Teil der Natur und muss sich auch als solcher verstehen. Ich sehe hier einen sich verstetigenden Sinneswandel und dieses gilt es weiterhin zu unterstützen. Menschliche Nutzung und natürliche Lebensräume müssen sich nicht ausschließen. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass zum Beispiel bei der Ausweisung neuer Baugebiete ganz gezielt natürliche Lebensräume erhalten oder auch neu geschaffen werden. Hier müssen wir offen sein für Innovationen und kreative Ideen. Ob begrünte Dächer, ökologische Baustoffe oder regenerative Energieerzeugung. Es gibt viele Ansätze und diese müssen wir klug kombinieren. Im Bezug auf die Einrichtung neuer Gewerbegebiete setze ich mich dafür ein, vorranging alte, brachliegende Gewerbegebiete zu reaktivieren.

Eine grüne Stadt ist nicht nur schön anzusehen - das Stadtgrün übernimmt auch wichtige Funktionen wie die Verbesserung des Stadtklimas, Erhöhung der innerstädtischen Biodiversität und trägt einen Teil dazu bei, den Klimawandel einzudämmen. Lage könnte auch noch grüner werden.
Welche Maßnahmen für mehr Stadtgrün (innerstädtische Blühflächen, essbare Gärten, Hecken, Obstbäume, ...) werden Sie auf den Weg bringen?

Wie gesagt, schließen sich menschliche Nutzung und natürliche Lebensräume nicht aus. Mir ist es wichtig, dass wir, wo immer es möglich ist, Grün- und Blühflächen schaffen und erhalten. Die Neugestaltung des Marktplatzes ist hierfür eine gute Gelegenheit. Hier möchte ich, dass wir vorhandene Förderprojekte konsequent nutzen, wie zum Beispiel das Förderprogramm „Zukunft Stadtgrün“.
Ebenfalls ist mir der Erhalt und auch die Neuanpflanzung von Bäumen im Stadtgebiet sehr wichtig. Aber auch die angesprochenen verpachteten Flächen müssen mit bedacht werden. Auf landwirtschaftlichen Flächen können wir über die Pachtverträge Blühstreifen und Lerchenfenster vorschreiben und damit wichtige Rückzugsgebiete für die Tiere schaffen. 

Antwort von Matthias Kalkreuter, SPD

In den kommenden sechs Jahren möchte ich mit den Bürgerinnen und Bürgern, Dorfgemeinschaften und Vereinen Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität in der Innenstadt und den Ortsteilen entwickeln und auch umsetzen. Das öffentliche Grün ist ein wesentlicher Faktor für eine attraktive Innenstadt und lebenswerte Ortsteile. Ich strebe insbesondere eine Aufwertung des Naturraums Werre und des Stadtwaldes an.

Für den Erhalt der örtlichen Infrastrukturen in der Stadt und den Ortsteilen müssen m.E. neue Wohnbaumöglichkeiten geschaffen werden. Dabei setze ich vor allem auf Nachverdichtung und die Abrundung der bestehenden Bebauung. Im Stadtentwicklungskonzept haben die Planer von Drees & Huesmann entsprechende Potentialflächen benannt. Für die zusätzlich versiegelten Flächen ist ein Ausgleich selbstverständlich zwingend erforderlich.