B239n - noch zeitgemäß ?

Der Neubau der B239 ist in der jetzt im Bundesverkehrswegeplan geplanten Form nie vom Rat der Stadt Lage befürwortet oder beschlossen worden. Das Projekt stammt aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Es sollen insgesamt ca. 150 ha Land beansprucht werden, bestes Ackerland, Natur- und Siedlungsflächen, die Werreauen würden zweimal zerschnitten. Gleichzeitig ist die Bahnlinie von Herford nach Detmold seit 1880 eingleisig, der ÖPNV in Lage und Lippe ist schlecht ausgebaut und teuer, die Welt diskutiert über die Reduzierung von Resourcenverbrauch, Artenschwund, Dieselskandale, vernetzte Verkehre und Elekromobilität. 
Halten Sie den Neubau der B239 um Lage in der geplanten Form für richtig?

Antwort von Frank Drexhage, BÜNDNIS 90 / GRÜNE

Ich lehne den Bau der B239 n und der B66 n in allen Teilstücken ab. Die Position des BUND teile ich zusammen mit den Lagenser Grünen.

Der Umgehungsstraßenneubau löst keine Verkehrsprobleme. Jeder Neubau von weiteren Schnellstraßen zieht zusätzlichen Verkehr an und entlastet uns nicht von der Lärmbelästigung und den Abgasen. Selbst die Entlastung für die Bewohner*innen der Innenstadt wird nur gering sein, da der überwiegende Anteil des Verkehrs Ziel- und Quellverkehr ist.

Stattdessen wird die geringe Entlastung für die Bewohner*innen in der Innenstadt durch neue Belastungen für die Anwohner in den Ortsteilen erkauft.

Die neuen Straßen würden, wenn sich CDU und FDP durchsetzen etwa 150 ha wertvolles Ackerland beanspruchen. Die SPD befürwortet gar eine weiträumige Schnellstraßenumgehung, die noch viel mehr Land verbrauchen würde und zahlreiche schützenswerte Landschaftsteile zerstören würde. Einzelhändler und Gewerbetreibende, die an den bestehenden Straßen angesiedelt sind, müssen mit erheblichen Einkommenseinbußen rechnen.

Landwirte protestieren, weil wertvolles Ackerland verloren geht bzw. zerschnitten wird.

Wir brauchen eine Wende in der Verkehrspolitik:

  • Ausbau des Schienennetzes und Verlagerung eines Teils des Schwerlastverkehrs auf die Schiene (zweites Gleis am Bahnhof Ehlenbruch)
  • Förderung des ÖPNV
  • Ausbau des Radwegenetzes (Bürgerradwege, Radschutzstreifen, Anforderungsampeln, Radstraßen, sichere Abstellanlagen)
  • intelligente Ampelschaltungen
  • Kreisverkehre statt Ampelkreuzungen
  • Förderung der E-Mobilität
  • Geschwindigkeitsbegrenzungen

Antwort von Martina Hannen, FDP

Eine Umgehungsstraße muss natürlich deutlich mehr nützen als schaden, mehr entlasten als belasten. Es müssen aber auch andere Faktoren gesehen werden, wie zum Beispiel die bessere Anbindung an die vorhandenen Verkehrsstrukturen. Durch eine umsichtige Planung lassen sich Beeinträchtigungen sicherlich vermeiden. Eine Umgehungsstraße muss den Innenstadtbereich und auch die Ortsteile im Blick haben und Lebensqualität und Mobilität verbessern. Bezüglich der mäßigen Bahnanbindung Lages setze ich mich als Landtagsabgeordnete seit langem für eine deutliche Verbesserung ein. 

Antwort von Matthias Kalkreuter, SPD

Die Lagenser Innenstadt muss dringend vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Hierzu könnte eine Umgehungsstraße einen wichtigen Beitrag leisten.

Den Bau einer Ortsumgehung Lage befürworte ich allerdings nur unter zwei Bedingungen:

  1. Die Ortsumgehung Lage muss im Zuge einer Gesamtlösung zwischen der Autobahnabfahrt Herford-Bad Salzuflen und der Südumgehung Lemgo (B 66n) umgesetzt werden. Eine Realisierung lediglich einzelner Teilstücke dieser genannten Linie zwischen Autobahn und Südumgehung Lemgo lehne ich ab, da der möglichen Entlastungswirkung dieser Teilstücke eine unverhältnismäßige Mehrbelastung für andere Straßen gegenüber stehen würde.
  2. Eine Trassenführung auf dem Lagenser Stadtgebiet muss dem Anspruch an eine echte „Ortsumgehung“ gerecht werden und eine weitreichende Umfahrung aller zusammenhängenden Siedlungsgebiete gewährleisten. Eine Zerschneidung von gewachsenen Ortsteilen (wie z.B. Waddenhausen) findet nicht meine Zustimmung.

Ich gehe nicht davon aus, dass eine Ortsumgehung Lage unter den genannten Rahmenbedingungen zeitnah realisiert werden kann. Für die Entlastung der Innenstadt vom Durchgangsverkehr setze ich deshalb auf eine intelligente Verkehrssteuerung unter Ausnutzung der Möglichkeiten der Digitalisierung. Mit dieser Verkehrssteuerung möchte ich die vorhandenen Verkehrsströme besser lenken, um die Belastungen durch den Verkehr gerechter zu verteilen. Außerdem möchte ich den Umstieg auf andere Verkehrsmittel (z. B. ÖPNV, Fahrrad oder CarSharing) attraktiver machen.